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Vorwort.

Dieses Büchlein ist dünn, doch, wie ich glaube, nicht ohne wissenschaftliche Ergebnisse. Es beleuchtet ein Stück bisher dunklen Mittelalters.

Die Geschichte der Mark Brandenburg hat durch die Bedeutung seiner Hohenzollernherrscher gelitten, welche naturgewaltig alles übrige zurückdrängten. So ist es auch dem niederdeutschen Zweige des Johanniter-Ordens ergangen, thatsächlich und in der Forschung. Es geschah, obwohl er ein älterer Sohn der Mark war wie sein späterer Gebieter, eng verbunden mit der Entwickelung, dem Aufblühen des Landes, obwohl es Zeiten gab, wo er wie sein glücklicherer Bruder im Osten, wo er wie der Deutsch-Orden, an Selbständigkeit oder gar an Landeshoheit denken konnte. Wer weiß, was geworden wäre, wenn die fränkische Eisenfaust nicht der staatlichen Zerrüttung des 14. Jahrhunderts ein Ziel gesetzt hätte?

Bisher liegt die Geschichte jenes Ordenszweiges völlig im Argen. Ein Gespräch mit Herrn Geh. Ober-Regierungs-Rath Dr. Koser ergab, dass nicht einmal der erste Herrenmeister feststand; es wurde dadurch die Anregung zu dieser Arbeit. Für die älteste Zeit der mecklenburgischen Kommenden lieferte Lisch vortreffliche Abhandlungen, die Balei Brandenburg hat Herrlich behandelt, doch, wie er selber sagt, wesentlich die neu erstandene, während er die frühere nur einleitungsweise schilderte. Die sonstigen Leistungen über das Herrenmeisterthum und dessen Gebiete stehen niedrig; sie verwirren oft mehr als sie nützen. So gilt es geradezu eine Geschichte der niederdeutschen Balei, in weiterem Sinne des Ordens, erst zu schaffen, sie aus den innersten Anfängen heraus zu ergründen. Hierfür fehlt es aber nahezu an allem; ein überreiches Material liegt noch unbekannt und unberührt in den Archiven. Nur eine Anzahl Urkunden wurde von Riedel, von den Herausgebern des