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Die inneren Verhältnisse. 61
dem Unternehmen anschlossen. Auch sonst sehen wir ja Geistliche in dieser Zeit das Schwert führen.
Viel würde die Tracht der Johanniter für ihr Wesen und ihre Thätigkeit ergeben. Doch ist mir von Darstellungen aus dieser frühen Zeit nur die auf dem Grabsteine des Grosspriors Berthold von Henneberg (starb 1330) bekannt, welcher jetzt im Bayerischen Nationalmuseum zu München aufbewahrt wird.) Es ist ein schönes, sorgfältig gearbeitetes Denkmal, dessen unterer Theil fehlt; die ursprünglichen Farben blieben noch genügend sichtbar.
Der Körper des Dargestellten ist in ein weitwallendes langes schwarzes Obergewand mit Kapuze gehüllt, die rechte Hand hält den rechten Gewandschlitz offen und zeigt das Unterkleid, ebenfalls schwarz, schwach gefaltet, durch einen schmalen Gürtel zusammengehalten. Die linke Hand hält den goldenen Wappenschild mit der schwarzen Henne auf grünem Berge, dahinter das Schwert: der Griff von Holz(?), die Scheide schwarz mit weissen Riemen umwickelt. Der Kopf, durch niederhängendes schlichtes Haar geziert, ruht auf einem einst vergoldeten Kissen mit Purpurquasten, das Gesicht ist bartlos. Der Gesammteindruck des Mannes ist der eines Mönches; die ganze Tracht ist schwarz und faltig, ohne jede Zier, sie zeigt keinen Schwertgürtel, keinen Helmschmuck, keine Panzerung, die rechte Hand keinen Ring, ja auch von einem weissen Kreuze ist nicht das geringste sichtbar, weder im Stein noch in den Farbenresten. Da wir z. B. einen Deutschritter in der Marienkirche zu Marburg im weissen Mantel mit schwarzem Kreuze dargestellt finden, und unser Grabstein deutlich gute Portraitstatue ist, so muss die Vermuthung ausgesprochen werden, dass der Grossmeister der deutschen Zunge und mit ihm die Mitglieder seiner Ordensgruppe zu dieser Zeit als strenge Ordenstracht einfach schwarze mönchsartige Kleidung hatten, ohne Kreuz, was nicht ausschliesst, dass dieses hier und da als Zierde benutzt wurde. Das Offenhalten des Oberkleides auf dem Grabsteine sollte wohl nur das schwarze grobe Mönchsgewand darunter zeigen. Im Gegensatz zur rechten Seite des Bildes befindet sich gewissermassen die linke mit dem Wappenschilde und dem Schwerte. Das Wappen ist dasselbe mit dem der Grossprior siegelte, das Schwert wird nicht von der linken Hand gehalten, sondern steht nur lose hinter dem Schilde. Deutet das Schwert auf die weltliche Macht, so das Wappen zunächst auf den Edelmann; ebenso wohl der Kopf: er liegt zur Hälfte im Kissen, zeigt aber, so weit er sichtbar
1) Vergl. Katalog des k. B. Nationalmuseums VI, 277; Niedermayer, Kunstgesch. der Stadt Würzburg 192; v. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften III, 2. Aufl. No. 164, S. 12; dazu briefliche Auskunft, die mir der Herr Sekretär Dr. Schmidt in München gegeben hat.