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28 Der Johanniter-Orden in Deutschland.
dass die Würdenbezeichnung „Kommandator“ seit 1260 mehr und mehr üblich wurde, und sich als Titulatur an bestimmte Orte heftete.¹) Gegen Ende des Jahrhunderts war die Bewegung vollzogen. Entstanden scheint der Titel in der Mark zu sein. Er übertrug sich dann nach Südwesten und Westen, namentlich in die Gebiete des Rheins. Die Johanniterstiftung, der ein Kommandator vorstand, erhielt allgemach die Bezeichnung Kommende, die damit also einen ganz bestimmt verwalteten, bestimmt umgrenzten Güterbezirk bedeutete. Auf ihnen beruhte in Zukunft die Eintheilung und ein gutes Stück der Entwicklung des Ordens.
Vereinzelt finden sich auch zwei Kommandatoren neben einander, so 1264 in Werben, vielleicht zusammen mit dem Magister Alardus. Auch in Braunschweig war es ein Zwitterverhältniss, dass der bisherige Kommandator und nunmehrige Herrenmeister Gebhard von Bortfelde neben seinem Nachfolger in der Kommandatorwürde wohnte und dessen Obliegenheiten bis zu gewissem Grade ausübte. In Goslar behielt dieser selbe Gebhard, so weit wir absehen, die Kommandatorwürde, als er Herrenmeister wurde.
Die Bedeutung des Kommandatortitels erhellt aus dem fünften Abschnitte des Ordens-Status, wo es heisst: „Weil die Güter und Gerecht- same, welche der Orden besitzt, nicht ordentlich als Gesammtheit verwaltet werden konnten, wegen der grossen räumlichen Entfernungen und der Mannigfaltigkeit der Völker, so übertrugen (commendârunt) die Vorfahren sie einzelnen Brüdern, um sie als Theilstücke zu regieren, woher auch die Bezeichnung der Kommenden.“²) Die deutsche Bezeichnung der Kommandatoren war deshalb auch Statthalter³) oder Pfleger.⁴) Mit einer kriegerischen Thätigkeit als Kommandeur oder Befehlshaber hatte sie nichts zu schaffen.
Es ist daran festzuhalten, dass alle Bezeichnungen vom blossen Bruder bis zum Kommandator in der ältesten Zeit, also im 13. Jahrhunderte, dasselbe bedeuten konnten: „Vorstand der Johanniter-Niederlassung“, weshalb in ihrer Anwendung eine gewisse Zufälligkeit obwaltete. Die Folge davon war, dass die gleiche Persönlichkeit verschiedene Titulaturen führen konnte, oder dass diese in einander übergingen. So findet sich derselbe Heinrich 1217 als Procurator und als Magister von Werben (M. U. B. I, 217, Riedel VI, 11). Zwei Johanniter, welche 1251 als Kommandatoren von Steinfurt und Mirow aufgeführt werden
¹) Wyss, Hess. Urkb. I p, VI, setzt das Aufkommen der Würde zu spät an. ²) Beckmanns, Beschreibung des ritterl. Johanniter-Ordens (vermehrt von Dithmar) S. 106. ³) Riedel VI, 27: Jane Hidden, statholdere to Werben. ⁴) Herrlich, Die Balley Brandenburg des Johanniter-Ordens S. 45.